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Gelehrtenfamilie-Königsberg
Hermann August
Hagen
Hermann August Hagen und seine Frau Elise Johanna Marie Hagen, geb.  Gerhards (18.7.1832 - 17.8.1917)
geb. 30.5.1817 Königsberg/ Pr.  
gest. 09. 11.1893 Cambridge, Massachusetts, USA
Beruflicher Werdegang
 
Nach dem Abitur 1836 studierte Hagen zunächst auf Wunsch des Vaters Medizin in Königsberg. Später integrierte er Zoologie in seinen Studienaufenthalten in Berlin, Wien und Paris. Nach dem medizinischen Staatsexamen in Königsberg war er einige Jahre als Assistent an einer Chirurgischen Klinik, schließlich als Praktischer Arzt tätig. 1840 promovierte er mit der Arbeit: "Synonymia Libellarum Europaearum", womit zum Ausdruck kam, dass er sich früh intensiv mit Insektenkunde beschäftigte. Zwischen 1840 und 1862 veröffentlichte er in in- und ausländischen Fachblättern der Entomologie über 100 Artikel und unternahm immer wieder ausgedehnte zoologische Studienreisen. Über einen Vortrag, den er vor der Physikalisch Ökonomischen Gesellschaft in Königsberg am 19.3.1852 unter dem Titel "Lebensweise der Termiten" gehalten hatte, wurde der russische Entomologe Karl Robert Osten-Sacken auf ihn aufmerksam. Nach der Herausgabe der zweibändigen "Bibliotheca Entomologica" (1862) empfahl Osten-Sacken Hagen an die Universität in Cambridge/ Massachusetts. Auf Veranlassung von Louis Agassiz erhielt er hierher 1867 den Ruf dorthin und wirkte zunächst als Kurator des "Museums of Comparative Zoology" der Harvard-Universität und übernahm dort die berühmte Insektensammlung. Er erlangte bald einen solchen Ruf, dass so namhafte Professoren wie John Henry Comstock (1849 - 1931) zu seinen Schülern zählten. 1870 wurde er erster Professor für Entomologie an einer amerikanischen Universität und baute das "Department of Entomology" der Harvard Universität aus. Ein Angebot aus dem Jahre 1876, die Leitung der Entomologischen Sammlung der Berliner Universität zu übernehmen, schlug er aus. Insgesamt über 400 Veröffentlichungen umfasst das Werk von Hagen zur Entomologie. Teile seiner Bernsteinsammlung mit organischen Einschüssen stellen auch heute noch einen Kern der bedeutenden Sammlung in Harvard dar. Ob Hagen seine vollständige private Entomologische Sammlung (s.u.) in diejenige der Harvard-Universität integrierte, oder ob sie in Königsberg und damit später im Prussia-Museum verblieb, ist derzeit nicht völlig geklärt.
 
Ehrungen: Hagen war Mitglied in der Physikalisch Ökonomischen Gesellschaft in Königsberg, der Amerikanischen Akademie der Kunst und Wissenschaft, der Amerikanischen Philosophischen Gesellschaft und der Amerikanischen Gesellschaft für Entomologie. Er gründete den "Cambridge Entomological Club". 1863 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Albertus-Universität Königsberg.

Wichtige Werke:
 
1840:Synonymia Libellarum Europaearum
1852: Lebensweise der Termiten (Vortrag und Veröffentlichung)
1855 - 1860: Termiten (Monographie)
1862 - 1863: Bibliotheca Entomologica in zwei Bänden
 
 
Literatur- und Quellenhinweise
 
Capinera, J. L: (Hg.): Hagen, Hermann August. In: Encyclopedia of Entomology (2. Auflage). S. 1762, 2008
 
Hagen, S.: Dreihundert Jahre Hagen´sche Familiengeschichte, Selbstdruck (u.a. in der Universitätsbibliothek Münster, Berlin, Göttingen, München), 1938
 
Anonymus: Hermann August Hagen. In: Psyche, Journal of Entomology (Volume 1894, Issue1), S. 35
 
Neumann-Redlin von Meding, E./von Meding, J.: Karl Gottfried Hagen. Beilage der Deutschen Apotheker Zeitung: Geschichte der Pharmazie Jg. 51, Nr. 3/4. Stuttgart, 1999
 
Hagen, D., Neumann-Redlin von Meding, E.: Zum Werk und Leben von Hermann August Hagen. Königsberger Bürgerbrief 2011; 78: 48-49
 
Links:
 
http://en.wikipedia.org/wiki/Hermann_August_Hagen mit weiterführender Literatur
Plates from Hagen's: Die Neuroptera der Insel Cuba
zurück zum Vater
Karl Gottfried Hagen
30.5.1817 Königsberg/ Pr.  
09. 11.1893 Cambridge, Massachusetts, USA
Arzt, Zoologe und Entomologe, Sohn des Nationalökonomen Prof. Carl Heinrich Hagen und Anna Hagen, geb. Linck, Enkel von Karl Gottfried Hagen, dem letzten Universalgelehrten an der Albertus Universität zu Königsberg und Neffe von Ernst August Hagen, dem ersten Professor für Kunstgeschichte und Ästhetik in Preußen.

 
Beeinflusst wurde Hagen durch seinen Großvater, Karl Gottfried Hagen, der, nachdem er 1816 die Hofapotheke in Königsberg an seinen Sohn Johann Friedrich abgegeben hatte, in die Ziegelstraße am Burgkirchenplatz umzog. Neben der Studierstube gab es im neuen Haus ein Auditorium, in dem seine Sammlungen aufgestellt waren, darunter neben der Bernstein- und Herbariensammlung auch diejenige für Insekten, die Hagen selbst gefangen hatte und in selbst gefertigten Glaskästchen aufbewahrte. Diese Entomologische Sammlung faszinierte den damals ca. 10-jährigen Hermann August so sehr, dass er sich früh entschloss, Zoologe zu werden. Die Entomologische Sammlung Karl Gottfried Hagens dürfte später der Grundstock für diejenige von Hermann August H. geworden sein, auf der seine Bibliotheca Entomologica 1862 fußte.
 
Verheiratet war er mit
Elise Johanna Marie Gerhards (18.7.1832 - 17.8.1917), die nach seinem Tod wieder nach Königsberg zurück zog. Die Ehe blieb kinderlos. Regen Kontakt hielt er mit seinen fünf Brüdern, so zu Adolph Hagen, der über viele Jahre Stadtrat und Kämmerer in Berlin, später auch Landtags- und Reichstagsabgeordneter war.  Vor seinem Tod litt er an einem periferen Nervenleiden. Beerdigt wurde er auf dem Universitätsfriedhof Mount Auburn in Cambridge-Massachusetts.
Hermann_A._u.Elise_J.M.Hagen