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Helene
Neumann

Helene Neumann (1874 - 1942)


3. Seite

Wegbereiterin für den Beruf der Hauswirtschft
mit Abschluss:

"Meisterin der Hauswirtschaft"
Helene Neumann (1,7,8, 9a und b) wandte sich nach dem Tod der Mutter 1903 und dem Umzug ins eigene Haus sozialen Aufgaben zu. Sie gründete 1904 den
„Gewerkverein der Heimarbeiterinnen" in Rauschen. Dessen Vorgänger war wenige Jahre zuvor von ihrer Bekannten  Margarete Behm (1860 – 1929) in Berlin aufgebaut worden (3). Der Rauschener Verein übernahm in seinen Aktivitäten eine Führungsrolle gegenüber dem Berlin-Zehlendorfer Vorgänger. Dies zeigte sich darin, dass um 1906 über den Verein mit den Abnehmern der genähten Textilien (heutiger Zwischenhandel) erste tarifliche Lohnzahlungen für die Heimarbeiterinnen ausgehandelt wurden. (2) Damit nahm Helene Neumann gewerkschaftliche Funktionen wahr. Der Verein war Mitglied im Deutschen Heimarbeiter- und Hausgehilfen- verband.
 
H. Neumann unterstützte die Heimarbeiterinnen mit solch
einem Engagement, dass sie mit Geldmitteln aus ihrer Familie und einer zu diesem Zweck gegründeten „Helene Neumann – Stiftung in Sassau auf Samland ein Erholungsheim errichtete (ca 1906 – siehe Abb. Postkarte 1808) (Abb) (4). Dieses „Helene Neumann-Haus für Heimarbeiterinnen diente dazu, die Mehrfachbelastung der Heimarbeiterinnen für eine kurze Zeit zu lindern. Das Haus öffnete jeden Sommer seine Pforten, um den Frauen Ruhe, Erholung und neue Kraft zu verschaffen.
 
1914 führten Margarete Behm und Helene Neumann eine tatkräftige Frau,
Olga Friedemann (1857 - 1935) in das Umfeld der notleidenden Hausfrauen ein. Friedemann gelang es, mit großer Unterstützung durch die Schriftführerin und Kassenprüferin Helene Neumann, den Königsberger Hausfrauenbund  zu gründen, in dem H. Neumann 2. Vorsitzende und Kassenprüferin wurde.
 
In diesen Verein sollten die „gestandenen ostpreußischen Vereine, d.h. der „Gewerkverein der Heimarbeiterinnen von Helen Neumann, der „Königsberger Verein Frauenwohl von
Pauline Bohn und teilweise der „Landwirtschaftliche Hausfrauenverein von Elisabet Böhm eingegliedert werden. (10)
 
Da brach der 1. Weltkrieg aus. Sofort organisierten die Olga Friedemann und Helene Neumann  über den Hausfrauenbund  die
„Mittelstandsküche Hufen" als Kriegseinrichtung zur Beköstigung der Bedürftigen.
 
 
 
 
Nach dem Krieg trat der Königsberger Hausfrauenbund in die
Vereinigung Ostdeutscher Hausfrauenbünde" ein, wobei Helene Neumann hier die Rechnungsführung für alle ostpreußischen Verein übernahm.

 
Schließlich trat der Verein 1919 mit seinen vielen oben erwähnten ostdeutschen Haus- frauenvereinen in den
„Reichsverband Deutscher Hausfrauenvereine (RDH) (1915–1935) ein (Abb.), in dem Olga Friedemann als 3. Vorsitzende ab dem 1. 9. 1919 ihre Erfahrungen einbrachte.

Demgegenüber war Helene Neumann im Gesamtvorstand des RDH und im Vorsitz des Ausschusses für Bau- und Wohnungszwecke von 1921 bis 1935. 1927 vertrat sie den RDH als Rechnungsführerin auf dem internationalen Kongress für hauswirtschaftlichen Unterricht in Rom.
 
Ein großes Ereignis fand im Juni 1924 in Königsberg statt, als der RDH seine Jahresversammlung dorthin verlegte und Maria Therese Gosse, Direktorin der Königsberger Mädchengewerbeschule (OMGS), mit ihrem Beitrag „Wege zur Meisterausbildung in der Hauswirtschaft" richtungsweisende Ideen formulierte. (Das Bild befindet sich im Archiv der Franz Neumann-Stiftung. Anwesend waren Helene Lange, Olga Friedemann, Helene Neumann, Therese Gosse. Leider sind die Ziffern nicht den Personen zugeteilt. Hinweise über das Kontaktformular oder Impressum willkommen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das größte Verdienst des Königsberger Hausfrauenbundes lag darin, den in Königsberg ins Leben gerufenen „Beruf der Hauswirtschaftslehre" staatlich anerkannt zu bekommen. 1926 wurde über den „Königsberger Hausfrauenbund" im RDH die staatlich anerkannte Berufsbezeichnung  „Meisterin der Hauswirtschaft" eingeführt.
 
Olga Freidemann und Helene Neumann hatten einen so entscheidenden Einfluss in Berlin, dass sie nicht nur die ostpreußische hauswirtschaftliche Berufsausbildung in das „Berufsausbildungsgesetz" in den RDH einbrachten, sondern auch das „Arbeitsnachweisgesetz" und das „Lebensmittelgesetz".
Neben all diesen Tätigkeiten gaben beide Frauen die „Ostdeutsche Hausfrauenzeitung heraus, wobei H. Neumann hier Schriftleiterin und Kassenprüferin war. Des Weiteren leitete sie die Königsberger Wohnungskommission und organisierte Ausstellungen und Veranstaltungen. Hierzu schrieb Olga Friedemann in einer Helene Neumann zu ihrem 60. Geburtstag gewidmeten Ausgabe der „Ostdeutschen Hausfrauenzeitung: „Helene Neumann beherrschte die Rechnungsführung in den weitverzweigten Betrieben der Städtischen- und der Provinzialorganisationen und löste Probleme der vereidigten Bücherrevisoren. Als begabte und gewandte Rednerin lenkte sie die Aufmerksamkeit auf dem internationalen Kongreß für Hauswirtschaftlichen Unterricht in Rom (1927) auf die in Ostpreußen gegründete und geführte hauswirtschaftliche Berufsausbildung. (2,S.2)

 
 
Neben dem Helen Neumann - Erholungsheim in Sassau gab es in Rauschen ein Speisehaus des Hausfrauenbundes und in Königsberg ein Rentenheim, das sog. Olga Friedemann Haus (Abb.).
Das Grundstück, im Besitz der Erben des Physikers Franz Neumann, wurde von der Miterbin Helene Neumann an die Stadt verkauft (Urkunde im Archiv der Franz- Neumann-Stiftung). Am 30. 9. 1928 wurde dieses Haus nach zweijähriger Bauzeit in der Aschmann-Allee, Ecke Schwertbrüderstraße, eröffnet. Es war für damalige Zeiten sehr modern eingerichtet mit einem Lebensmittelladen im Foyer.
Nicht nur beruflich, sondern auch privat halfen sich Olga Friedemann und Helene Neumann. Ihr Verhältnis zu Helene Neumann beschreibt Olga Friedemann selbst wie folgt: „Im Februar 1919 legte ich die Lazaretttätigkeit nieder. Die unglückliche Zeit brachte aber auch große Bereicherung. Helene Neumann, aus einem alten Gelehrtengeschlecht stammend, Enkelin des berühmten Physikers Franz Neumann, legte ihre Häuslichkeit mit der meinen zusammen und es wurde mir eine Schicksalsgenossin, Mitarbeiterin und Wahltochter, in der ich die Zukunft meiner Arbeit gesichert sehe. (5, S.3). Die beiden Frauen führten jahrelang einen gemeinsamen Haushalt in den Wohnräumen der Hardenbergstraße 7.
Nach dem Tode Olga Friedemanns 1935 führte Helene Neumann die Geschäfte des Hausfrauenbundes weiter. Neue 1. Vorsitzende wurde Dora Schlochow, die zum 1. 1. 1936 sämtliche im „Reichsverband Deutscher Hausfrauenvereine" eingetragenen Vereine auflöste und es den Mitgliedern anheimstellte, dem neuen, nationalsozialistischen „Deutschen Frauenwerk beizutreten. Mit dem Erlöschen der Hausfrauenverbände in ganz Deutschland legte Helene Neumann alle ehrenamtlichen Aufgaben nieder und wirkte auch im „Frauenwerk" nicht mehr in leitender Funktion mit. Sie schreibt: „Mag ein frischer Wind die Fußspuren [der ostpreußischen Hausfrauenvereine] verwehen. Mögen neue Zeiten neue Formen bilden, wenn nur in aller Zukunft der Geist erhalten bleibt. (6)
 
Das von Kunst und gewerkschaftlicher Tätigkeit geprägte Leben Helene Neumanns kann niemand besser schildern als Olga Friedemann: „Weit aber hinaus über Leistung und Begabung leuchtet die schlichte, immer nur fremde Verdienste anerkennende Anspruchslosigkeit ihres Wesens, die Lauterkeit ihres Willens und die Selbstlosigkeit ihres Handelns.(2) Eine staatliche oder städtische Ehrung wurde ihr zu Lebzeiten nie zuteil. Dafür fand ihr künstlerisches Lebenswerk internationale Anerkennung.
 
Literatur zu Helene Neumann und Olga Friedemann:
 
 
1.Eberhard Neumann-Redlin von Meding und Franz Neumann, Helene Neumann. Ostpreußische Landschaft in
     Bildern, 1. Aufl. Stiftg. Ostpr. Hamb.(Hg.), München 1979, 2. Aufl. Rautenberg, Leer 1987.
2.Olga Friedemann, Helene Neumann 60 Jahre - Ein Rückblick und Dank, Ostdeutsche Hausfrauenzeitung
     9. Jg. Nr. 4  (1934), S.1
3.Gewerkverein der Heimarbeiterinnen Berlin (Hrsg.): Die Heimarbeiterin – Organ der christlichen Heimarbeiterinnen-
     Bewegung, Jg. 5, Nr. 1 (1905), S. 1,
     (ab März 1905 war Margarete Behm 1. Vorsitzende des Vereins Jg.5, Nr. 3 (1905), S. 1)
4.Helene Neumann, "Helene-Neumann-Stiftung" in Sassau, in: Ostdeutsche Hausfrauenzeitung Jg. 1 Nr. 12 (1912),
     S. 2 -3 mit Abb. und Grundrisszeichnungen des Erholungsheims
4A
 Helene Neumann, Olga Friedemann und ihre Arbeit, in: Ostdeutsche Hausfrauenzeitung, Jg. 10 (1935), Nr. 9, S. 3:
      
„Die  Erkenntnis von der Bedeutung des Hauswirtschaftsberufes für das gesamte Volkswohl bestimmte von nun
      an Olga Friedemanns Leben.

5.Olga Friedemann, Aus meinem Leben, in: Ostdeutsche Hausfrauenzeitung, Jg. 10 (1935), Nr. 9, S. 3
6.Helene Neumann, 15 Jahre Vereinigung Ostdeutscher Hausfrauenbund, In: Ostdeutsche Hausfrauenzeitung,
     Jg. 10 (1935), Weihnachtssondernummer, S. 5.
7.Eberhard Neumann-Redlin von Meding: Helene Neumann, Schülerin der Damenklasse der Kunstakademie
     Königsberg (gegr. 1845), Königsberger Bürgerbrief  44 (1995), S.31-33  
8.Katja Behling und Anke Manigold, Die Malweiber. Unerschrockene Künstlerinnen um 1900, Sandmann,
     München 2009.
9.a  Neumann-Redlin von Meding, E.: Elisabet Böhm und Helene Neumann. Wegbereiterinnen für den Beruf der
       Hauswirtschaftslehre. Königsberger Bürgerbrief Nr. 86 (2015), S. 32 - 34
9. b Neumann-Redlin von Meding, E.: Von den Anfängen ostpreußischer Hausfrauenbünde bis zur Bezeichnung "Meisterin der
Hauswirtschaft". Königsberger Bürgerbrief Nr. 86 (2015) S. 35 - 41 und     Nr. 87 (2015) S. 24 - 31

 
10.
Literatur zu Elisabeth Boehm:
      Elisabet Boehm, Ostpreußische Zeitung und Landfrauen, In: Gedenkausgabe 80 Jahre Ostpreußische Zeitung
     1849 –   1928, vom 31.12.1928, S. 14
 
     Christine Schwarz, Elisabet Boehm und der landwirtschaftliche Hausfrauenverein, hg. v. Landsmannschaft Ostpreußen,
     Abt.  Kultur, 1991, 2. Aufl., Hamburg:1994
 
     Anonymus, E.T., Elisabet Boehm - Arbeit und Liebe bestimme ihr Leben, Ostpreußenblatt Folge 17 (1988), S. 19

     Eberhard Neumann-Redlin von Meding: Elisabet Boehm (1859-1943) und Helene Neumann (1874-1942) als
     Wegbereiterinnen für den Beruf der „Hauswirtschaftslehre Königsberger Bürgerbrief Nr. 86 (2015), S. 32-34
Fotographie, 1903
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